Ein Haus für die Vögel

Mein Onkel hat vierzig Jahre lang bei Bayer geschafft. Dadurch hatte er manchmal Zugang zu sehr besonderen Materialien und baute die Dinge, die er baute, für die Ewigkeit. Vor dem Haus meiner Mutter steht z.B. ein Blumenkübel, der ehemals zum Kochen von Pe­ni­cil­lin verwendet wurde. Er hat ihn bunt angemalt, und die Farbe ist längst abgeblätter. Der Kübel ist aber nie überhaupt nur angerostet. Mein Onkel hat vor dreißig Jahren auch mal ein Vogelhaus gebaut, das erst nach zwanzig Jahren vergammelt war. Ich weiß noch heute, wie es ausgesehen hat.

Vor diesem Hintergrund kommt es für mich nicht in Frage, ein Vogelhaus zu kaufen. Ich hab gestern eins gebaut, dem ich allerdings nicht zwanzig Jahre gebe. Habe es auf die alte verbogene Mistgabel geschraubt, was es quasi zu einem Vogelhaus to go macht: Man kann es allerorten in die Erde rammen, sich mit Abstand davor setzen und die lokale Vogelschar beobachten. Dort, wo es jetzt im Blumenbeet steht, ist allerdings noch kein einziger Vogel erschienen. Das mag auch an dem Holzpferd liegen, das der Nachbar seiner Tochter gebaut hat. Auch wenn unsere Mädels es sehr lieben - die Vögel scheint es eher abzuschrecken.